Heilpraktikerin Angela Sitzmann0
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Schafgarbe

Achillea millefolium (Schafgarbe)

Asteraceae (Korbblütengewächse)

 

 

   

Schafgarbe (ganz)

 

Schafgarbe (Blütenstand)

 

Vorkommen.

Die Heimat der Schafgarbe ist Europa. Ihre geringen Ansprüche an den Boden sind gepaart mit einer hohen Widerstandsfähigkeit gegen Kälte und Hitze. Diese beiden Eigenschaften ermöglichen ihr ein Überleben auch in Höhen von ca. 2500 m. Wenn man durch Feld und Flur streift, entdeckt man die Schafgarbe nicht nur auf Wiesen, sondern auch an Feld- und Wegrändern.

 

Merkmale.

Je nach Umweltbedingungen erreicht die Pflanze eine Höhe von 20 bis 60 cm. Sie besitzt einen aufrechten Stängel, an dem gefiederte Blätter sitzen. Von Juni bis Oktober fällt die Schafgarbe durch ihre weißen bis leicht rosa gefärbten Blüten auf, die in Scheindolden angeordnet sind. Jede einzelne Blüte besteht aus weiß bis schwach gelb gefärbten Scheibenblüten und weißen, rosa oder auch rötlich gefärbten Zungenblüten. Der Geschmack der Pflanze erinnert an Kerbel mit einer bitteren, zusammenziehenden Komponente.

 

Herkunft des Namens.

Der wissenschaftliche Name setzt sich zusammen aus dem Gattungsnamen "Achillea" und dem Artnamen "millefolium". Achillea bezieht sich auf den griechischen Helden Achilles, weil dieser angeblich die Pflanze als Heilpflanze erkannt haben soll. Doch dazu später mehr. "Millefolium" hingegen stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "tausendblättrig". Schaut man sich die stark zerteilten Blätter an, so erklärt sich der Name von selbst.

Ihren deutschen Namen Schafgarbe verdankt sie der Tatsache, dass Schafe das Kraut als Nahrungsquelle sehr zu schätzen wissen. Natürlich gibt es auch in diesem Fall eine Reihe von Bezeichnungen, von denen ich einige erwähnen möchte.

 

Volkstümliche Namen.

Achilleskraut, Bauchwehkraut, Bibhenderslkraut, Blutkraut, Blutstillkraut, Feldgarbe, Frauendank, Gänsezunge, Garbenkraut, Gerreworzel, Grillenkraut, Judenkraut, Kachelkraut, Mausleiter, Schafrippe, Schafzunge, Sichelkraut, Tausendblatt.

 

Wirksame Teile.

Blühende Sprossspitzen, Blätter und Früchte können medizinisch verwendet werden. Gebräuchlich ist bei uns das gesamte Kraut (Millefolii herba) oder die Blüten (Millefolii flos). Das blühende Kraut wird abgeschnitten und an einem gut belüfteten Ort zum Trocknen aufgehängt. Da sich in den Blüten gern Insekten aufhalten, muss hier besondere Sorgfalt darauf verwendet werden, insektenfreie Pflanzenteile zu sammeln.

Sammelzeitpunkte:

  • Kraut, Blüten (Juni - August)

 

Inhaltsstoffe.

Schafgarbe enthält ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerb- und Mineralstoffe sowie Harz und organische Säuren. Besonders hervorzuheben ist der relativ hohe Gehalt an Kalium.

 

Geschichtliches.

Germanen und Slawen schätzten die Schafgarbe als Zauberpflanze, die vor bösen Krankheiten schützte.

Schriftlich erwähnt wurde die Anwendung von Schafgarbe als Wundermittel in Homers Ilias. Achilles hatte bei der Belagerung Trojas Hektor, den ältesten Sohn des Königs Priamos getötet. Paris, der Bruder Hektors verletzte daraufhin Achilles mit einem vergifteten Pfeil an der Ferse. Um seine Schmerzen zu lindern, folgte Achilles dem Rat der Göttin Aphrodite und legte Schafgarbenblätter auf die verletzte Stelle. Grundsätzlich wurde die Pflanze bei Verletzungen eingesetzt und war das Soldatenkraut jener Zeit, da sie im Grunde überall auf den Schlachtfeldern verfügbar war.

Bei Hippokrates (460 - 370 v. Chr.) wird zwar eine Pflanze namens Achilleios erwähnt. Es lässt sich jedoch nicht mehr beweisen, dass tatsächlich unsere Schafgarbe gemeint ist.

Dagegen war Dioscorides (30 - 90 n. Chr.) von der Heilkraft der Pflanze überzeugt und beschreibt ihre heilende Wirkung bei Wunden und Geschwüren.

Hildegard von Bingen (1098 - 1179 n. Chr.) nennt dagegen eine ganze Reihe von Anwendungen und verschiedenen Rezepturen für Schafgarbe. Drei-Tage-Fieber, Nasenbluten und Menstruationsstörungen sind ein paar Beispiele aus jener Zeit.

 

Medizinische Eigenschaften.

Schafgarbe gehört zu den Bitterstoffdrogen, die vor allem Anwendung im Bereich des Magen-Darm-Traktes finden. Nachgewiesen sind ihre antibakteriellen, galletreibenden, zusammenziehenden und krampflösenden Eigenschaften. Auf Grund des bitteren Geschmacks gibt es aber auch eine appetitanregende und sekretionsanregende Wirkung. Alkoholische Zubereitungen, wie z.B. Schafgarbentinktur haben außerdem eine abschwellende Wirkung.

Diese Eigenschaften führen zum Einsatz der Pflanze bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, leichten Magen-Darm-Krämpfen und Krämpfen im kleinen Becken der Frau.

Die Erfahrungsheilkunde beschreibt außerdem blutstillende, narbenbildende, tonisierende und windtreibende Eigenschaften, sowie eine Regulierung der Menstruation. Daraus ergeben sich die in der Volksheilkunde gebräuchlichen weiteren Anwendungsgebiete. Äußerlich als Kompresse aufgebracht, kann Schafgarbe bei Wunden und Geschwüren verwendet werden. Bei Hämorrhoidalblutungen kommt der Aufguss als Sitzbad zur Anwendung. Innerlich, als Tee, wird sie als Nieren- und Lebermittel, als Blutreinigungsmittel, bei Kopfschmerzen, bei Ausfluss junger Mädchen, bei Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung sowie bei nächtlichen Wadenkrämpfen eingesetzt.

 

Anwendungsarten.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich die Anwendung der Pflanze als Tinktur für innerliche und äußerliche Zwecke, als Aufguss, ebenfalls innerlich und äußerlich sowie in Form von Salat oder als Küchenkraut.

Außerdem erwähnenswert ist das ätherische Öl der Pflanze, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird und bei guter Qualität einen hohen Anteil an Chamazulen besitzt, einem Inhaltsstoff, der ebenfalls in der Kamille vorkommt. So ist es kaum verwunderlich, dass Schafgarbenöl die gleichen Eigenschaften wie Kamillenöl (Achtung: ich spreche hier ausschließlich von den jeweiligen ätherischen Ölen) besitzt und auch zur Inhalation verwendet werden darf. Als Inhalation eingesetzt wirkt es auch gegen Erkältungskrankheiten.

Als Kräuterbündel oder Kräutersäckchen nutzt man die Pflanze in einigen Ländern auch zur Haltbarmachung von Wein. Zu diesem Zweck werden Bündel oder Säckchen in die Weinfässer gehängt.

In Frankreich legte man die Schafgarbe kleinen Kindern auf die Augen. Sie sollten so einen ruhigeren Schlaf mit schöneren Träumen haben als ohne die Pflanze.

 

Nebenwirkungen.

Wie jeder Stoff, so kann auch die Schafgarbe zu allergischen Reaktionen führen. Dies gilt besonders für den Saft der frischen Pflanze. Kommt dieser mit der Haut in Berührung, sollte man sich vor direktem Sonnenlicht hüten, da diese Kombination zu einer Entzündung der Haut führen kann.

 

Aromatherapie.

Schafgarbe enthält - wie bereits erwähnt - ätherisches Öl. Damit haben wir die Möglichkeit, bei der Behandlung aller beschriebenen Beschwerden auch das Öl zu verwenden. Sinn macht das vor allem dann, wenn die Patienten eine Abneigung gegen Tee haben. Aber nicht nur für diesen Fall stellt das ätherische Öl der Pflanze eine gute Alternative dar. Befindet man sich z.B. auf einem Ausflug in Mutter Natur (Fahrradtour, Bergwandern etc.), hat man in der Regel nicht die Möglichkeit bei Bedarf einen Tee zu kochen. Hier ist das Öl von unschätzbarem Nutzen. Eingesetzt werden kann es u.a. bei möglichen Verletzungen. Jeder weiß, wie schnell das gehen kann. Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert. Natürlich darf das ätherische Öl nicht unverdünnt direkt auf eine Wunde aufgetragen werden. Deshalb macht es Sinn, sich bereits vor dem Ausflug ein kleines Fläschchen Wundöl zu mischen. Dies könnte aus 10 ml Ringelblumenöl und 10 Tropfen ätherischem Öl (z.B. Schafgarbe, Lavendel, Melisse) bestehen. Bei Bedarf wird ein Teil dieser Mischung bis dicht an die Wundränder heran auf der Haut verteilt.

Bitte beachten Sie, dass dies immer nur eine notfallmäßige Versorgung sein kann. Je nach Ausmaß der Verletzung muss natürlich nach dem Ausflug ein Arzt aufgesucht werden oder in entsprechenden Notsituationen ein Notruf abgesetzt werden.

 

Anwendung in der Homöopathie.

In der Homöopathie ist die Schafgarbe (Millefolium) das Mittel bei hellroten Blutungen. In diese Gruppe gehören Verletzungen, Nasenbluten, Regelblutung und blutende Hämorrhoiden.

  • Organbeziehungen: Arterielles Gefäßsystem

 

Wenn Sie Interesse an weiterführender Literatur haben, dann schauen Sie bitte in meine Literaturliste. Dort finden Sie Literatur aus dem Bereich der Botanik, der Naturheilkunde und der Homöopathie. Bitte beachten Sie, dass diese Informationen weder  zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung geeignet sind bzw. für diesen Zweck gedacht sind.

 



Naturheilpraxis Angela Sitzmann    info@naturheilpraxis-sitzmann.de