Heilpraktikerin Angela Sitzmann0
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Löwenzahn

Taraxacum officinale (Löwenzahn)

Asteraceae (Korbblütengewächse)

 

   

   

Taraxacum officinale

 

Taraxacum officinale (Blütenstand)

 

Taraxacum officinale (Fruchtstand)

 

Vorkommen.

Der Löwenzahn wächst in Asien und Europa im Bereich der gemäßigten Klimazone bis in eine Höhe von ca. 2000 m. Für den Gartenliebhaber ist diese Pflanze bisweilen ein Ärgernis, weil sie sich überall dort findet, wo ein Samenkorn den Boden erreicht. Außerdem ist die bis zu 30 cm lange Pfahlwurzel dafür verantwortlich, dass das Jäten schwierig ist, denn jeder in der Erde verbleibende Wurzelrest führt wieder zur Ausbildung einer Pflanze.

 

Merkmale.

Jeder kennt diese Heilpflanze, die sogar zwischen Pflastersteinen ihren Standort haben kann, was sich jedoch auf ihre Gesamthöhe auswirkt. So wird der Löwenzahn an ungünstigen Stellen nur etwa 10 cm hoch, während er bei günstigen Lebensbedingungen durchaus eine Höhe von ca. 50 cm erreicht. Die oberirdischen Teile bestehen aus einer bodenständigen Blattrosette und hohlen, kahlen Stielen, an deren Ende sich die auffallenden gelben Blütenköpfchen befinden. Die Blütezeit beginnt bereits im März und endet im Oktober. Aus den zahlreichen Zungenblüten werden nach der Befruchtung Samen mit einem langen Stiel und einer Haarkrone als Abschluss. Das so entstandene Gebilde ähnelt einem Fallschirmchen, das durch den Wind weiter getragen wird und an einem anderen Ort zur Ausbildung einer neuen Pflanze führen kann.

Ebenfalls auffallend ist der weiße Milchsaft, der sich in der Pflanze befindet. Auf der Haut führt dieser Saft nach einiger Zeit zu braunen Flecken, die erst nach ein paar Tagen wieder verschwinden.

Geschmacklich haben wir es mit einer bitter schmeckenden Pflanze zu tun. Bevor ich jedoch auf die Inhaltsstoffe eingehe, hier noch ein paar Worte zum Namen der Pflanze.

 

Herkunft des Namens.

Die deutsche Bezeichnung Löwenzahn bezieht sich auf das Aussehen der Blätter. Diese sind tief eingeschnitten und bisweilen gespalten und erinnern an ein Gebiss. Die Menschen sahen hier Ähnlichkeiten zum Gebiss des indischen Löwen - der Name Löwenzahn war geboren.

Dem gegenüber steht der wissenschaftliche Name "Taraxacum". Er geht auf das arabische "tarakshaqum" zurück, was übersetzt so viel wie "bitteres Kraut" heißt.

 

Volkstümliche Namen.

Jeder von uns kennt neben der Bezeichnung Löwenzahn auch noch einen anderen Namen für diese Heilpflanze, nämlich Pusteblume. Es ist unschwer zu erkennen, woher dieser Name stammt. Pustet man in die am Stiel sitzenden, reifen Früchte, so lösen sich diese vom Stiel und schweben davon. Der in der Pflanze enthaltene Milchsaft brachte ihr zwei weitere Namen ein, nämlich Milchblume oder Butterblume. Weitere andere Namen sind Bärenzahnkraut, Bettseichkraut, Hundeblume, Kuhblume, Laterne, Märzenbusch, Maiblume, Millidistel, Mistfinkwurzel, Pfaffenröhrlein, Pissblume, Pisskraut, Speckblume oder Teufelsblume.

 

Wirksame Teile.

Medizinische Verwendung finden die gesamte Pflanze (Taraxaci radix cum herba), der Wurzelstock (Taraxaci radix), die Blätter (Taraxaci herba) und der Milchsaft. In den Monaten April und Mai wird die Pflanze ausgestochen, der Wurzelstock gespalten und an einem schattigen Ort zum Trocknen aufgehängt. Auch hier dürfen - wie so oft - 40°C nicht überschritten werden. Dies gilt, wenn die oberirdischen Pflanzenteile ebenfalls verwendet werden sollen, Geht es nur um den Wurzelstock, so darf auch in der Sonne getrocknet werden.

Sammelzeitpunkte:

  • Wurzelstock (März, April bzw. August, September)
  • Blätter (April - August)
  • Milchsaft (Herbst)

 

Inhaltsstoffe.

Löwenzahn enthält eine Reihe von Inhaltsstoffen. Neben den Bitterstoffen, die für den bitteren Geschmack verantwortlich sind, haben wir ätherisches Öl, Cholin, Flavonoide, Gerbstoff, Inulin, Provitamin A sowie die Vitamine B und C, Triterpene und Xanthophylle, außerdem eine Reihe von Mineralsalzen mit einem relativ hohen Anteil an Kalium.

 

Geschichtliches.

Heute geht man davon aus, dass der Löwenzahn bereits um 900 eine Rolle in der damaligen Medizin gespielt hat. Der Name Taraxacum findet sich in den Schriften der beiden persischen Ärzte Rhazes (864 - 925) und Avicenna (980 - 1037). Auch bei Römern und Griechen dürfte die Pflanze bekannt gewesen sein. In unseren Breiten war der Löwenzahn als Heilkraut eher unbekannt. Erste Aufzeichnungen finden sich erst bei Olivier de Serres (1532 - 1619), Pierre Matthiole (1501 - 1577) oder Hieronymus Bock (1498 - 1554). Spätere Erwähnungen stammen von Joseph Lieutaud (1703 - 1780) und Gerard van Swieten (1700 - 1772). In allen Aufzeichnungen findet man die harntreibenden Eigenschaften und die Wirkung auf Leber und Milz wieder.

 

Medizinische Eigenschaften.

Kommen wir zu den wissenschaftlich belegten Wirkungen des Löwenzahns. Er wirkt galleflussfördernd, appetitanregend und harntreibend. Seine Anwendung wird laut Kommission E empfohlen bei Störungen des Galleflusses, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen und zur Anregung des Harnflusses.

Auf Grund seiner Inhaltsstoffe gehört diese Heilpflanze sowohl zu den Aquaretika als auch zu den Amara. Was versteht man darunter? Aquaretika fördern die Harnausscheidung ohne dabei zu einem Verlust von Mineralstoffen zu führen. Die Harnmenge wird also erhöht, ohne dabei einen Mineralstoffverlust in Kauf nehmen zu müssen.

Eine andere Bezeichnung für Amara ist Bitterstoffdroge. Bitterstoffe reizen die Geschmacksknospen auf der Zunge und führen über eine Stimmulierung des Unwillkürlichen Nervensystems zu einer erhöhten Speichel- und Magensaftproduktion. Gleichzeitig führt die Absenkung des pH-Wertes im Magen zu einer besseren Aktivität der Verdauungsenzyme. Zugeführte Nahrung kann besser ausgenutzt werden, der Verdauungsprozess wird unterstützt.

Dem gegenüber steht die volksheilkundliche Nutzung der Pflanze. Sie ist deutlich umfangreicher. Hier gilt sie als Blutreinigungsmittel, bindegewebsstärkend, als Mittel gegen Rheuma, Gicht und chronische Ekzeme und nicht zuletzt als Vorbeugungsmittel bei Gallensteinen.

 

Anwendungsarten.

Der Löwenzahn kann als Extrakt in Form von Tabletten verabreicht werden. Bekannt ist sicherlich auch seine Anwendung als Tee bzw. als Presssaft oder Tinktur. Zunehmend bekannter wird seine Nutzung als Bestandteil eines schmackhaften Frühlingssalates. Zu diesem Zweck werden nur junge Blätter in den Monaten März bis April gesammelt. Dem gegenüber steht die im Spätsommer gestochene Wurzel. Dem größten Teil der Leser dürfte nicht unbedingt bekannt sein, dass dieser Pflanzenteil in früheren Zeiten geröstet wurde und als Kaffeeersatz diente.

 

Nebenwirkungen.

Der Milchsaft des Löwenzahns kann bei entsprechend empfindlichen Personen zu einer Kontaktallergie führen. Innerlich eingenommen sind vor allem die Bitterstoffe für eventuell auftretende Magen-Darm-Beschwerden verantwortlich.

Sehr selten kann es aber auch passieren, dass Kinder nach dem Genuss von Kuhmilch zum Bettnässen neigen. Woran liegt das? Man konnte beobachten, dass die Milch von Kühen, die blühenden Löwenzahn gefressen hatten, die harntreibenden Wirkstoffe der Pflanze enthält.

 

Anwendungsbeschränkungen.

In diesem Fall muss darauf hingewiesen werden, dass die Pflanze auf keinen Fall bei einem Verschluss der Gallenwege oder bei einem Darmverschluss eingesetzt werden darf. Und onwohl der Löwenzahn vorbeugend bei Gallensteinleiden wirkt, sollten betroffene Patienten vor seiner Anwendung immer mit ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es - wie so oft - leider keine Erkenntnisse. Auch hier sollte das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden.

 

Anwendung in der Homöopathie.

Auch der Löwenzahn findet sich in der Homöopathie wieder. Entsprechend seiner Wirkungsweise wird er bei Appetitlosigkeit, Bettnässen, rheumaähnlichen Schmerzen am ganzen Körper, Leber- und Galleleiden sowie bei Magenschleimhautentzündungen eingesetzt.

  • Organbeziehungen: Leber, Magen-Darm
  • Modalitäten: < im Sitzen oder Liegen, > durch Berührung

 

 

Wenn Sie Interesse an weiterführender Literatur haben, dann schauen Sie bitte in meine Literaturliste. Dort finden Sie Literatur aus dem Bereich der Botanik, der Naturheilkunde und der Homöopathie. Bitte beachten Sie, dass diese Informationen weder  zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung geeignet sind bzw. für diesen Zweck gedacht sind.



Naturheilpraxis Angela Sitzmann    info@naturheilpraxis-sitzmann.de