Heilpraktikerin Angela Sitzmann0
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Frauenmantel

Alchemilla vulgaris (Frauenmantel)

- Rosaceae (Rosengewächse)

 

 

   

 

 

Alchemilla vulgaris (ganz)

 

Alchemilla vulgaris (Blütenstand)

 

Vorkommen.

Auch der Frauenmantel ist eine einheimische Pflanze, die in fast ganz Europa auf Wiesen und Weiden, sowie an Wald- und Wegrändern zu finden ist. Selbst bis in eine Höhe von 2600 m kann man sie noch antreffen.

 

Merkmale.

Der Frauenmantel gehört zu den Stauden, d.h. die oberirdischen Pflanzenteile bleiben krautig und sterben nach der Vegetationsperiode ab. Während die gelappten Blätter mit ihrem fast kreisrunden Umriss eher bodennah zu finden sind, erreichen die Blühtriebe eine Höhe von 10 bis 50 cm. Wie bereits auf den Bildern zu erkennen ist, sind die kleinen gelblich-grünen Blüten (Mai - Oktober) sehr unscheinbar. Sie sind rispenförmig angeordnet, wirken aber wie Knäuel an ihrem Stiel.

Deutlich beeindruckender als die Blüten sind die auffallend großen, in der Regel behaarten Blätter. Auf ihnen sammeln sich Tau- und Regentropfen, die wie Perlen auf einem Samttuch wirken.

Frauenmantel ist geruchlos und hat einen säuerlich herben Geschmack.

 

Herkunft des Namens.

Der wissenschaftliche Name "Alchemilla"  geht auf Alchemie zurück und bedeutet "Kleine Alchemistin". Wieso man die Pflanze mit der Alchemie in Verbindung brachte, lesen Sie im Bereich Geschichtliches.

Die deutsche Bezeichnung "Frauenmantel" bezieht sich auf die Blätter, die bei genauerer Betrachtung viel Ähnlichkeit mit Mariendarstellungen aus dem Mittelalter ausweisen. Maria wurde zu dieser Zeit in der Regel mit einem sehr weiten, in Falten liegenden Mantel dargestellt, der einem Überwurf glich.

 

Volkstümliche Namen.

Weitere Namen, die diesem Ursprung folgen sind Frauenrock, Jungfernkraut, Liebfrauenmantel, Marienmantel und Röckli. Andere Bezeichnungen beziehen sich auf eine Eigenschaft der Pflanze, die vor allem in den Morgenstunden oder bei Regen zu beobachten ist. Gemeint ist die Fähigkeit, über Nacht Tautropfen in ihren Blättern zu sammeln. Dabei übernehmen die Blätter die Funktion eines Bechers. Hieraus ergaben sich Namen wie Taumantel, Taurose oder Taubecherl. Da auf Grund der dichten Blattbehaarung Regentropfen wie Perlen auf den Blättern liegen, findet man auch die Bezeichnung Perlkraut. Insgesamt gesehen sind die Blätter sehr groß, was der Pflanze den Namen Regendachl einbrachte. Schaut man sich die Blattform etwas genauer an, so stellt man mit ein wenig Phantasie fest, dass sie einem Löwenfuß gleicht. Daher kann man sie in älteren Schriften auch als Löwenfußkraut finden. Ihrer volksheilkundlichen Verwendung bei Frauenleiden (im Klimakterium oder während der Menstruation) verdankt die Pflanze zwei weitere Namen, nämlich Frauenhilf und Frauentrost.

 

Wirksame Teile.

Zum Einsatz kommen alle oberirdischen Pflanzenteile, die während der Blütezeit gesammelt und verarbeitet werden sollten. Als spätester Zeitpunkt gilt in diesem Fall Mitte August. Was den Trocknungsvorgang angeht, so ist die Pflanze nicht besonders anspruchsvoll. Die gesammelten Pflanzenteile können ohne Wirkungseinbußen sowohl in der Sonne als auch im Schatten getrocknet werden.

Sammelzeitpunkte:

  • Kraut - Juni bis August

 

Inhaltsstoffe.

Vor allem die in der Pflanze enthaltenen Gerbstoffe sind für ihre medizinische Wirkung maßgeblich. Daneben finden wir Bitterstoffe, organische Säuren, Harz, Saponin und Kohlenhydrate.

 

Geschichtliches.

Die Anwendung des Frauenmantels als Heilpflanze findet sich bereits in der Antike. Hier galt die Pflanze sogar als heilig. Man war der Überzeugung, dass die Pflanze jeder Frau die Jugend und Schönheit zurückbringen würde, die durch die Geburt ihrer Kinder verloren gegangen war. Dieser Glaube trat in der Renaissance wieder in Erscheinung, weil man zu dieser Zeit erkannte, dass die Samen der Pflanze ohne Befruchtung entstehen und somit jede Tochterpflanze ein genaues Abbild der Mutterpflanze ist.

Über die Fähigkeit, Tau in ihren Blättern zu sammeln, wurde bereits berichtet. Die Pflanze besitzt zudem allerdings noch eine ganz besondere Fähigkeit. Sie kann aus Wasserspalten an den Blattzähnen aktiv Wasser ausscheiden, das sich dann am Blattgrund als so genannter "Himmelstau" sammelt. Dieser war von den Alchemisten des Mittelalters heiß begehrt. Sie sammelten das Wasser und nutzten es als Rohstoff für die Herstellung ihres Allheilmittels "Alkahest" bzw. zur Herstellung des "Himmlischen Wassers". Letzteres nutzten sie auf ihrer Suche nach dem Stein der Weisen.

Die Druiden hingegen nutzten dieses Wasser zur rituellen Reinigung.

Zur Zeit der alten Germanen war die Pflanze der Schutzgöttin von Ehe und Mutterschaft - Frigg - gewidmet.

 

Medizinische Eigenschaften.

Gerbstoffe wirken zusammenziehend, schleimhautschützend, reizmildernd, abschwellend und keimhemmend auf die Schleimhäute. Ihre Wirkung beruht auf der Bildung unlöslicher Verbindungen mit Eiweißen in der Darmschleimhaut, was zu einer Verdichtung ihrer Oberfläche führt. Damit können Keime und schädliche Substanzen schlechter in den Körper eindringen, entzündete oder verletzte Bereiche werden durch Ausbildung eines Kollagenfilmes geschützt und ein Flüssigkeitsaustritt aus dem Gewebe in den Darm wird erschwert. Letztlich verbessert das die Symptome einer unspezifischen Durchfallerkrankung bzw. unspezifischer Magen-Darm-Störungen.

Während der Einsatz des Frauenmantels in der Schulmedizin laut Kommission E auf diese Bereiche begrenzt wurde, haben wir in der Volksheilkunde ein wesentlich größeres Einsatzgebiet. Hier wird sie seit langem auch gegen Wechseljahresbeschwerden, Menstruations- und Stoffwechselstörungen und gelegentlich auch gegen Husten eingesetzt. Als Blutreinigungsmittel ist sie in der Regel Bestandteil einer Teemischung und verbessert als solche angeblich die bei jungen Mädchen häufig anzutreffenden Hautunreinheiten.

 

Anwendungsarten.

Ein aus Frauenmantelkraut bereiteter Tee kann getrunken werden, er kann aber auch für Waschungen, Spülungen und Auflagen Verwendung finden. 2 TL Kraut werden mit ca. 1/4 l kochendem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen lassen. Für die innerliche Anwendung sollten nicht mehr als 10 g Kraut für die tägliche Teezubereitung verwendet werden.

 

Anwendung in der Homöopathie.

Alchemilla vulgaris gehört zu den selten verwendeten Arzneien der Homöopathie. Man kann sie z.B. einsetzen bei starkem Nasenbluten und Kopfschmerzen.

  • Modalitäten: > Ruhe, heißes Bad

 

Wenn Sie Interesse an weiterführender Literatur haben, dann schauen Sie bitte in meine Literaturliste. Dort finden Sie Literatur aus dem Bereich der Botanik, der Naturheilkunde und der Homöopathie. Bitte beachten Sie, dass diese Informationen weder  zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung geeignet sind bzw. für diesen Zweck gedacht sind.



Naturheilpraxis Angela Sitzmann    info@naturheilpraxis-sitzmann.de