Heilpraktikerin Angela Sitzmann0
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Brennnessel

 Urtica urens (Kleine Brennnessel)

- Urticaceae (Brennnesselgewächse)

 

   

 

 

Urtica urens

 

Urtica urens (Blütenstand)

 

Vorkommen.

Sowohl die Kleine- (Urtica urens) als auch die Große Brennnessel (Urtica dioica) finden sich in unserem heimischen Arzneischatz. Sie gehören zu den Pflanzen, die in der gesamten gemäßigten Klimazone der Welt zu Hause sind. Wir finden sie auf Meeresspiegelniveau bis in eine Höhe von über 3000 m, also auch noch mehrere hundert Meter über der Baumgrenze, die in den Alpen bei ca. 2000 - 2200 m liegt. Auffällig ist, dass sie überall dort anzutreffen sind, wo Menschen leben, sei es am Gartenzaun, auf Schuttplätzen, an Gräben oder auf Ödland. Aus diesem Grund wird sie auch als Kulturbegleiter bezeichnet.

Besondere Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellen die Pflanzen nicht. Sie gedeihen jedoch besonders gut auf nährstoffreichen und stickstoffhaltigen Böden. Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass sie auch Einzug in unsere Gärten halten, was in der Regel bei Hobbygärtnern nicht sehr beliebt ist.

 

Merkmale.

Die Kleine Brennnessel (Urtica urens) kann - je nach Standort - eine Höhe von bis zu 60 cm erreichen, während ihre nahe Verwandte, die Große Brennnessel (Urtica dioica) auch schon einmal die stattliche Höhe von 2 m erreichen kann.

Schauen wir uns das Bild genauer an, so erkennt man gegenständig gestielte, unverzweigte Blätter, die an einem aufrechten, unverzweigten, kantigen Stängel sitzen. Das einzelne Blatt ist eiförmig-länglich, lang zugespitzt und mit gesägtem Rand. Sehr oft finden sich Nebenblätter.

Was uns jedoch am bekanntesten ist, sind ihre Brennhaare, die den Pflanzen als Fraßschutz dienen. Während die Kleine Brennnessel nur Brennhaare besitzt, finden wir bei der Großen Brennnessel neben den Brenn- auch Borstenhaare.

Beide Pflanzenarten blühen von Juni bis Oktober. Die kleinen, grünen Blüten besitzen vier Blütenhüllblätter. Sie bilden Blütenrispen, die in den Blattachseln zu finden sind. Die männlichen Blüten besitzen vier Staubblätter, die weiblichen Blüten dagegen einen Fruchtknoten. Männliche und weibliche Blüten befinden sich auf einer Pflanze, während sie bei der Großen Brennnessel auf unterschiedlichen Pflanzen anzutreffen sind, was der Botaniker als zweihäusig bezeichnet. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Die Früchte sind sehr klein und schwarz. Sie sind - botanisch gesehen - Nüsse, d.h. die Früchte haben eine harte Schale, die vom Perikarp (Fruchtwand) gebildet wird, und einen weichen Kern.

 

Herkunft des Namens.

Urtica und urens haben ihren Ursprung im lateinischen Wort urere für brennen. Die deutsche Bezeichnung Nessel könnte auf das germanische Wort nezzila zurückgehen. Lange Zeit wurde nämlich aus den Fasern der Großen Brennnessel Nesseltuch hergestellt. Diese Verwendung endete mit der Einführung der Baumwolle.

 

Volkstümliche Namen.

Donnernessel, Eiternessel, Eselkraut, Große Nessel, Haarnessel, Hanfnessel, Hundepromenadenpflanze, Nesselkraut, Scharfnessel, Sengnessel, Tausendnessel.

 

Wirksame Teile.

Arzneiliche Verwendung findet die gesamte Pflanze. Wir unterscheiden Brennnesselkraut (Urticae herba), Brennnesselblätter (Urticae folium) und Brennnesselwurzel (Urticae radix). Aber auch die Samen der Brennnessel (Urticae semen) werden in der Naturheilkunde für medizinische Zwecke genutzt. Brennnesselkraut, -blätter und -wurzeln werden zu unterschiedlichen Zeiten gesammelt und müssen schnell im Schatten getrocknet werden, denn die Trocknungstemperatur sollte 50°C nicht überschreiten. Es muss immer darauf geachtet werden, dass die Pflanzenteile gut belüftet sind, da sich ansonsten Schimmel bilden kann, der die getrockneten Pflanzenteile unbrauchbar machen würde.

 

Sammelzeitpunkte:

  • Kraut, Blätter - ganzjährig, junge Pflanzen bis zu einer Höhe von maximal 50 cm
  • Wurzeln - Herbst

Welche Pflanzenteile bei welchen Beschwerden eingesetzt werden, liegt an den jeweiligen Inhaltsstoffen, die ich im nächsten Abschnitt betrachten möchte.

 

Inhaltsstoffe.

Acetylcholin, Histamin und Serotonin findet man v.a. in den Brennhaaren. Daneben kommen Ameisensäure, eine harzige Säure, ein giftiges Albumen und ein reizendes Glukosid vor. Diese Substanzen stehen im Verdacht, für die hautreizende und brennende Wirkung verantwortlich zu sein.

Der Chlorophyllgehalt der Blätter ist recht hoch. Außerdem erwähnenswert sind Vitamin C und der Eisengehalt. Gerbstoffe, Carotinoide, Flavonoide, Triterpene und Sterole kommen ebenfalls vor. Ebenfalls bemerkenswert ist der Mineralsalzgehalt der Pflanze. Vorherrschend sind Kalium- und Calciumsalze sowie Kieselsäure.

 

Geschichtliches.

Schauen wir uns die Geschichte der Brennnessel an, so stellen wir fest, dass sie bereits sehr früh ein bekanntes Heilkraut war. In der Antike waren ihre Anwendungsmöglichkeiten geradezu unbegrenzt. In der so genannten Vier-Säfte-Lehre nach Hippokrates und Galen galt sie als klassische antidyskratische Pflanze, das heißt eine schlechte Säftemischung kann durch die Anwendung der Brennnessel behandelt und wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

In altgermanischer Zeit symbolisierte die Pflanze den Gott der Blitze (Donar/Thor), denn in der Vorstellung der Germanen brannte sie genau so wie die Blitze des Gottes. Dies ist wahrscheinlich auch der Ursprung für den Volksglauben, dass die Pflanze Blitz und Feuer und damit auch den Teufel und seine Hexen abwehren kann. So wurden zum Beispiel - um das Vieh zu schützen - Ställe mit Brennnesseln ausgeräuchert.

Interessant ist, dass die Brennnessel bereits in der Bibel erwähnt wird. Schaut man sich die dazugehörigen Textpassagen an, so erkennt man schnell, dass die Pflanze auch zu jener Zeit trotz ihrer Vielseitigkeit von den Menschen nicht besonders geschätzt wurde und wird. So heißt es in Zusammenhang mit einem Strafgericht über das Land Edom bei Jesaja 34,13: "An seinen Palästen ranken sich Dornen empor, in den Burgen wachsen Nesseln und Disteln. Das Land wird zu einem Ort für Schakale, zu einem Platz für die Strauße."

Jetzt aber genug mit geschichtlichen oder mystischen Aussagen über die Brennnessel. Wenden wir uns der aktuellen Anwendung der Pflanze in unserer Medizin zu. Wie Sie sehen werden, gibt es einen Unterschied, ob die Urtica urens in der Schulmedizin oder in der Naturheilkunde genutzt wird.

 

Medizinische Eigenschaften.

Wissenschaftlich belegt ist die Anwendung der Brennnessel bei Nierengrieß, zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur unterstützenden Behandlung bei Rheuma. Für diese Bereiche gibt es Wirksamkeitsstudien, die je Studie mit mehr als 10.000 Teilnehmern durchgeführt wurden.

Die harntreibende Wirkung der Inhaltsstoffe ermöglicht die Behandlung von Entzündungen im Bereich der ableitenden Harnwege, also in Nieren, Harnblase und Harnleitern. Gleichzeitig erfolgt eine direkte Bekämpfung der Entzündung durch Brennnesselblätterextrakt, da dieser Stoffe (Zytokin-Antagonisten) enthält, die die Synthese (Bildung) von entzündungsauslösenden Botenstoffen (Prosta-glandinen) hemmen. Dieser Mechanismus erklärt somit auch die Anwendung bei rheumatischen Erkrankungen. Auch hier werden so genannte Entzündungsmediatoren wie z.B. die Leukotriene unterdrückt, die für die zerstörerischen Prozesse bei Rheumapatienten verantwortlich sind.

Versuche am pharmakologischen Institut der Universität Hamburg deuten darauf hin, dass Brennnesselkraut die Harnsäureausscheidung über die Nieren erhöht. Als Folge davon sinkt der Harnsäurespiegel im Blut. Gichtpatienten leiden vor allem an den Ablagerungen der Harnsäure im Gewebe und hier besonders im Bereich des Großzehengrundgelenks. Auf Grund der gesunkenen Konzentration im Blut kann dieses über die Kapillaren wieder Harnsäure aufnehmen. Diese stammt aus den Ablagerungen im Körper, die in der Folge kleiner werden.

In der Volksheilkunde gilt die Pflanze als adstringierend (zusammenziehend), abwehrsteigernd, blutbildend, blutreinigend, blutstillend, harntreibend, milchbildend, schleimlösend, stärkend und wassertreibend. Aus diesen Eigenschaften ergaben sich die Anwendungsgebiete wie Galle- und Leberleiden, Gicht, Rheuma, Blutarmut, Prostatabeschwerden, Beschwerden beim Wasserlassen, Blutarmut und Diabetes sowie als Pflegemittel für Kopfhaut und Haare. Rheuma- und Gichtpatienten wurde zeitweise empfohlen, sich mit frischem Brennnesselkraut zu peitschen, was zur Behandlung der Erkrankung von Nutzen sein sollte. Wie hilfreich diese Methode tatsächlich war oder ist, lässt sich nicht abschließend beantworten. Klar ist jedoch in jedem Fall, dass es sich dabei um eine wahre Rosskur handelt.

Wie bereits beschrieben, wurde aus den Fasern der Urtica dioica lange Zeit Nesseltuch hergestellt, was die Große Brennnessel als Faserpflanze so lange unentbehrlich machte, bis die Baumwolle in Europa Einzug hielt. Dennoch ist die Pflanze nicht gänzlich aus der Textilindustrie verschwunden. Mit ihrer Hilfe (auf Grund des hohen Chlorophyllgehaltes) können Stoffe eingefärbt werden; aber nicht nur diese. In der Lebensmittelindustrie nutzt man sie zum Färben von Lebensmitteln.

 

Anwendungsarten.

Aus dem bisher Gesagten lassen sich verschiedene Möglichkeiten der Anwendung ableiten. Da die frischen Blätter keine Brennhaare besitzen, kann man sie problemlos in einen Frühlingssalat mischen. Im eigenen Saft gedünstet eignen sie sich beispielsweise zum Würzen von Rührei. Aber auch als Schnaps, angesetzt mit Obstler aus Kernobst, kann die Brennnessel zusammen mit anderen Heilpflanzen wie Tausendgüldenkraut, Stiefmütterchen-, Gänseblümchen-, Holunder- und Ringelblumenblüten, ihre heilende Wirkung entfalten. Jedem bekannt dürfte die Anwendung in Form eines Teeaufgusses sein. Äußerlich angewendet wird dagegen Brennnesselspiritus.

 

Anwendungsbeschränkungen.

Auf Grund fehlender wissenschaftlicher Daten wird die innerliche Anwendung der Brennnessel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Vorsicht ist geboten bei Wasseransammlungen durch Funktionseinschränkungen von Herz und Niere.

 

 

Anwendung in der Homöopathie.

Selbstverständlich hat diese Pflanze ihren festen Platz im Arzneischatz der Homöopathie. Hier gilt die Pflanze als Notfallmittel und wird eingesetzt bei Stechen und Brennen, Hautausschlägen, Bienenstichen, schmerzhaften Brüsten, Blasenentzündungen, Steinleiden, Rheuma, Neuritis (Nervenentzündung), verminderter Milchsekretion, Verbrennungen, Verbrühungen und Gicht.

  • Organbeziehungen: Haut, Niere, Brustdrüsen, Muskeln, Gelenke
  • Modalitäten: < Schneeluft; Wasser feucht-kühle Luft, Berührung

 

Wenn Sie Interesse an weiterführender Literatur haben, dann schauen Sie bitte in meine Literaturliste. Dort finden Sie Literatur aus dem Bereich der Botanik, der Naturheilkunde und der Homöopathie. Bitte beachten Sie, dass diese Informationen weder  zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung geeignet sind bzw. für diesen Zweck gedacht sind. 



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